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Wolfgang Lackerschmid Connection - Presse

Wolfgang LackerschmidWolfgang Lackerschmid

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Donaukurier, 07.10.2018

Wolfgang Lackerschmid Connection begeistert in Neuburg

Wolfgang Lackerschmid und seine Band bescherten den Jazzfreunden im Neuburger Birdland ein überragendes Konzert. Foto: Leitner

Von Karl Leitner

Neuburg (DK) Wolfgang Lackerschmid, einer der führenden europäischen Vibrafonisten, war schon öfter zu Gast im Birdland Jazzclub.

Gut waren seine Konzerte dort immer, keine Frage, dieses mit seiner Wolfgang Lackerschmid Con-nection freilich übertrifft sie alle. Wie der Titel seiner aktuellen CD "Magic Brewery" bereits andeutete, durfte man einen höchst bekömmlichen Sud aus der Lackerschmid'schen Kompositionswerkstatt erwarten. Dass die "Brewery" auf der Bühne freilich vielmehr zu einer "Destillery" werden würde, die gut zwei Stunden lang absolut Hochprozentiges ausstoßen würde, überraschte selbst Lackerschmid-Kenner. Die zwischen funky Grooves und fließendem Mainstream angesiedelten Stücke sind nämlich nicht nur - um im Bild zu bleiben - angenehm süffig und herrlich würzig, sondern machen regelrecht trunken.

Manchmal gibt es Abende, da passt es einfach. Alle fühlen sich pudelwohl, die Band sprüht vor Energie und Spiellaune, die Musiker treiben sich gegenseitig an und die Leute im Saal, die ab der ersten Nummer genau spüren, dass hier großartige Musik auf sie zukommen wird, gehen begeistert mit.

Natürlich liegt's vor allem an der Band. Stefan Rademacher (Akustische Bassgitarre) genießt auf seinem Gebiet ein ähnlich hohes Ansehen wie Lackerschmid auf seinem. Er hat in der Billy Cobham Band jahrelang hervorragende Tiefton-Arbeit geleistet und leistet sie auch hier. Schlagzeuger Guido May webt einen unglaublich dicht geknüpften Rhythmusteppich. Im Grunde spielt er selbst dann Solo, wenn er "nur" begleitet. Ryan Carniaux (Trompete, Flügelhorn) steigert sich regelrecht hinein in seine Soli, bietet Lackerschmid auf ungemein spannende Weise Paroli und ist immer dann besonders präsent, wenn ein Stück so richtig "heiß" wird.

Die enorme Schubkraft, die vor allem von Bass und Schlagzeug ausgeht, verfehlt ihre Wirkung nicht, weder die auf die Solisten noch die aufs Publikum. Bereits bei der Adaption der Bill Withers-Nummer "Ain't No Sunshine" ganz zu Beginn kommt sie voll zum Tragen, dann bei "Alone Together" mit Reggae-Flair, der funky Nummer "Lullaby Of A Bird - Not" und natürlich auch dann, wenn ein Samba-Groove haargenau so ins Bluesschema eingepasst wird, dass man als Zuhörer gleich aus mehreren Richtungen emotional gepackt wird.

Das erste Stück gleich nach der Pause mit dem Titel "We Ain't No Magicians" bringt die Quintessenz des Konzerts ans Licht und die Sache indirekt auf den Punkt. - No Magicians? Doch, genau, das ist das Stichwort. Gerade diese Magie, die sich ein ums andere Mal im Verlauf des Gastspiels der Wolfgang Lackerschmid Connection breit macht und immer wieder dieses lustvolle Kribbeln erzeugt, ist das Besondere. Was für ein toller Abend im Birdland!


Augsburger Allgemeine, 07.10.2018

Ein (fast) magischer Abend im Neuburger Birdland

Von Tobias Böcker

Wolfgang Lackerschmid zeigt im Neuburger Jazzkeller Birdland Traditionsverbundenheit und optimistische Aktualität.

Locker swingende Musik, fein gewiegt und lässig vorgetragen, durchaus mit Anspruch und moderner Individualität. Der Augsburger Vibraphonist Wolfgang Lackerschmid ist längst Stammgast auf der Bühne des Neuburger Jazzclubs. Und immer wieder wartet er auf mit neuen Ideen, frischen Konzepten, und einem wahren Fundus musikalischer Substanz.

In den gut 40 Jahren seiner Karriere hat er eine große Anzahl eigener Kompositionen zu verzeichnen. Die bringt er mit Esprit, Ambition, leisem Humor und immer in höchster musikalischer Qualität auf die Bühne. Diesmal dabei: der famose Trompeter Ryan Carniaux, der lebhafte, positiv spielfreudige Trommelphilipp Guido May und – Überraschung des Abends! – Stefan Rademacher, der am „Kompromissbass“, einer hybriden akustischen Bassgitarre mit dem Griffbrett eines Kontrabasses, eine überaus starke Vorstellung zeigte. Die Bandbreite des Lackerschmid’schen Œuvres zeigt sich vielleicht am besten im Kontrast der zarten Ballade „Why Shouldn’t You Cry“ mit ihrer, von Ryan Carniaux großartig vorgetragenen, zarten, samtigen, an Chet Baker erinnernden Trompetenlinie, und dem wahrhaft schmetternden Opus „Schmetterlinge“ – beides Stücke, die Lackerschmid schon in den 70ern geschrieben hat. „Get Her Alone“ zeigte wiederum die Traditionsverbundenheit des Komponisten, der hier die Basis des Jazzstandards „Alone Together“ zu lässig dahinfederndem Optimismus wendet, an dessen positiver Wirkung das stets agile, leichthändige Schlagzeugspiel Guidos Mays wesentlich teilhatte.

Feine Ironie gab es nicht nur einmal, so in einer rasanten Adaption des Balladenklassikers „Lullaby of Birdland“, dem ein heftiges, trotziges „Not“ beigesellt wurde. Auch die lebhaften „Four Notes“ enthielten viel mehr als der Titel untertrieb. Und wenn es gegen Ende hieß „We Are No Magicians“, so waren sie doch nahe dran, die Vier in der Wolfgang Lackerschmid-Connection.


Die Oberbadische, 22.10.2018

Ein „F“ und ein Schmetterling

Von Veronika Zettler

Lörrach. Der Vibrafonist Wolfgang Lackerschmid hat sich am Freitag nachhaltig ins Gedächtnis des Jazztone-Publikums gespielt. Aber nicht nur er, auch der Ausnahmetrompeter Ryan Carniaux, Bassist Stefan Rademacher und Schlagzeuger Guido May hinterließen mit enormer Schubkraft bleibenden Eindruck.

„Wo ist denn das F?“, soll der Vibrafonist Bobby Hutcherson verwundert gefragt haben, als er sich das Vibrafon von Wolfgang Lackerschmid ausleihen wollte. Der hatte ein Teil einfach abgetrennt, der besseren Transportierbarkeit halber, und weil die „High Tones eh nur in den Ohren wehtun“, wie Lackerschmid im Jazztone augenzwinkernd erklärte.

Anekdoten wie diese kann der vom Tegernsee stammende Wahl-Augsburger en masse erzählen, zumal er im Lauf seiner Karriere mit vielen Größen und Exzentrikern des Jazz zusammengespielt hat. Zweifellos böten allein diese Geschichten Stoff genug, um damit einen Abend unterhaltsam zu füllen. Aber Lackerschmid ist eben vor allem am Vibrafon einer der ganz Großen und das Stück „We Ain’t No Magicians“, das von dem vermissten „F“ erzählt und natürlich mit einer unhörbaren Schlussnote endet, nicht das einzige, das einer denkwürdigen musikalischen Zusammenkunft mit einem kongenialen Kollegen gewidmet ist. „Why Shouldn’t You Cry“ zum Beispiel, ebenfalls im Jazztone gespielt, erinnert an Chet Baker, mit dem Lackerschmid ab 1978 mehrere gemeinsame Aufnahmen machte.

Zum Auftakt servierte das Quartett eine elegante Verflechtung von Freddy Hubbards Klassiker „Little Sunflower“ mit „Ain’t No Sunshine“ von Bill Withers, gefolgt von Lackerschmids Stück „Four Notes“, bei dem das Quartett die Herausforderung, aus vier Noten einen musikalisch vielfältigen Kosmos entstehen zu lassen, staunenswert meisterte. Spätestens da waren Musiker und Publikum aufgetaut. Von nun an fiel der Szenenapplaus häufig und herzlich.

Man muss es schon selbst gesehen haben, wie Lackerschmid, der das Jazztone nach langer Pause wieder einmal beehrte, mit vier Schlegeln rasante Akkordfolgen über die Platten zieht und das Instrument mit vollem Körpereinsatz und gleichzeitig auffallend lässig, manchmal geradezu tänzerisch bearbeitet. Perkussives und pianistisches Spiel wechselten rasant, immer wieder gab es fließende, perlende Soli, in denen die Klangmöglichkeiten des Vibrafons oszillierten, wobei Lackerschmid auch komplizierteste Harmonien mit verblüffender Leichtigkeit servierte.

Ähnlich begeisterte das Publikum der 38-jährige, aus den USA stammende Trompeter, Flügelhornist und Trompetenprofessor Ryan Carniaux, der an diesem Abend konsequent Schwerstarbeit leistete mit seinen kraftvollen, virtuosen, stellenweise funkigen Linien und brillanten Modulationen.

Neben adaptierten Standards (Lullaby Of Birdland wurde zu „Lullaby Of Birdland – Not“) hatte Lackerschmid viel Selbstkomponiertes im Gepäck, wobei der Bayer in Stücken wie „Baierbaiao“ seiner Vorliebe für brasilianische Rhythmen freien Lauf ließ. Einige der gespielten Nummern hat er schon in den 70ern geschrieben. Zum Beispiel „Schmetterling“: Wie darin Stefan Rademacher die akustische Bassgitarre expressionistisch brummen ließ, danach die Trompete majestätisch einstieg und schließlich ein furioser Schlagzeugpart folgte, um die Stadien von Raupe, Verpuppung und Metamorphose zum Schmetterling zu illustrieren, war ein ergreifendes Erlebnis, das die Zuhörer im Jazztone mit begeistertem Applaus quittierten.


Jazzthetik


Memminger Zeitung


virtuos


Jazzdimensions, 20.10.2013

Eine Kunst ist es, als Vibraphonist ein international bekannter Jazzmusiker zu werden. Eine viel größere Kunst aber ist es wohl, ein deutscher Vibraphonist zu sein, der mit den Stars des Jazz auf der Bühne oder im Studio steht: Wolfgang Lackerschmid ist seit den siebziger Jahren gleichermaßen als Vibraphon-Virtuose und Komponist erfolgreich.

Davon abgesehen schreibt Lackerschmid Film- und Theatermusiken, steckt im Besonderen viel Herzblut in Musik für Kinder - und leitet "nebenbei" einen eigenen Musikverlag. Das neueste Album dieses Künstlers nun heißt "Magic Brewery" und kommt tatsächlich mit einer geballter Ladung groovenden Jazz daher…

Carina Prange sprach für Jazzdimensions mit Wolfgang Lackerschmid

Carina: Du bist Vibraphonist, spielst aber auch ansonsten alles, was man perkussiv bedienen kann - was denn beispielsweise und wie hat sich deine Leidenschaft und letztlich deine Berufung in diese Richtung entwickelt?

Wolfgang: Ursprünglich bin ich Pianist, daher auch mein melodisch-harmonischer Anspruch! Das Vibraphon ist einfach das ideale Instrument um auch das rhythmische Element entsprechend auszuloten und auszuleben. Im Grunde genommen nutze ich jedes Instrument um einfach Musik zu machen oder zu erschaffen, natürlich auch insbesondere als Komponist

Carina: Du betreibst ein eigenes Tonstudio, hast eine Plattenfirma namens "Sandra Music" betrieben und leitest heute dein eigenes Jazzlabel "hipjazz". In welchen Phasen siehst du sozusagen den Bandleader und Musiker im Vordergrund und wann bist du aktiver "Labelkämpfer"?

Wolfgang: Es geht mir einfach darum, meine Musik zu verbreiten, da ist es manchmal ganz praktisch, wenn man eine Produktion einfach so, wie man es sich vorstellt, veröffentlichen kann. So konnte ich zum Beispiel auch Ryans Debut Album auf den Weg bringen. Als Musiker und Komponist bin ich ebenso bei zahlreichen anderen Labels vertreten.

Das Tonstudio gehört bei mir einfach zum Handwerkszeug, damit ich jederzeit etwas aufnehmen kann, egal ob Jazzplatten, Songs, neue Kompositionen - auch im Bereich der Ernsten Musik, Auftragsproduktionen oder einfach Ideen.

Carina: Ein wichtiges drittes Standbein sind deine Kindermusicals und Auftragskompositionen für Theater, Film und Fernsehen – was ist für dich das Besondere an Musicalmusik für Kinder?

Wolfgang: Kinder sind in ihrer Hörgewohnheit noch nicht so festgelegt, daher sind sie auch offen für Jazz. Sie werden leider meist unterschätzt und oft mit sehr banaler Musik abgespeist.

Zum Glück gibt es aber inzwischen auch immer mehr Kollegen, die sich darum bemühen den Kindern gute und ehrliche Musik zu präsentieren. Musik für Kinder zu schreiben oder zu spielen ist für mich kein Schwerpunkt, aber wenn mir die Aufgabe gestellt wird, löse ich sie mit Liebe und Respekt.

Mein erstes Werk war 1988 das "Schneewittchen Ballett" für das Theater Augsburg. Daraufhin folgten diverse Kindermusicals für verschiedene Theater und schließlich die Produktionen und Liedvertonungen für die "Augsburger Puppenkiste".

"Paula und die Kistenkobolde" und "Lieder aus dem Koboldland" habe ich gemeinsam mit Stefanie Schlesinger geschaffen, die bei den Aufnahmen die Lieder auch singt und die Synchronstimme der Paula spricht. – Bei so manchen offiziellen Anlässen war ich dann schon sehr gerührt, wenn plötzlich ein paar Schulklassen unsere Lieder zum Besten gaben.

Carina: Hast du als Kind vielleicht "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" gesehen und dich davon anregen lassen, später selbst für die "Augsburger Puppenkiste" Musik zu schreiben?

Wolfgang: Natürlich habe ich als Kind alle Folgen mit Begeisterung gesehen! Inspirationen kommen bei mir aber nicht durch bereits bestehende Dinge, sondern durch neue Aufgaben. Im Falle von "Paula" waren es einfach die Liedtexte, die zu vertonen waren.

Also, stimmige Melodien und Harmonien dazu finden, natürlich jedem Lied seinen eigenen Rhythmus und die passende Stimmung geben – und vor allem: Die ganze Musik "handgespielt" mit echten Instrumenten und guten Musikern aufzunehmen.

Aber die "Puppenkiste" hat ja auch Produktionen für Erwachsene, so hatte ich zum Beispiel auch die Musik zum "Sommernachtstraum" zur Hälfte neu arrangiert und zur Hälfte komponiert.

Carina: Und was inspiriert dich, wenn es um Musik für Theater oder Film geht?

Wolfgang: Der Aufgabenbereich ist da sehr unterschiedlich. Bei szenischer Musik geht es darum, abstrakt Stimmungen hervorzurufen, zu vertiefen oder auch zu verändern, kommende Handlungen emotional vorzubereiten etc.

Beim Film kann man dies auf den Bruchteil einer Sekunde zur Handlung anlegen, beim Theater muss man entsprechenden Spielraum mit einkomponieren, da eine Szene oder ein Umbau bei den Aufführungen nicht immer dieselbe Länge haben. Aber auch da gibt es wiederum konzertante Passagen, wie etwa Songs bei Musicals, die dann für sich stehen.

Meine letzte große Theaterproduktion war das Musical "Ghetto" für das Ulmer Theater. Ich hatte aus den handgeschriebenen Originalmelodien eine komplett neue Fassung für kleines Orchester und Jazzband geschaffen.

Carina: Zu deinem neuen Album: wie kam die Besetzung der Wolfgang Lackerschmid Connection zustande und was macht die Mischung dieser Musiker und deren Spezialrezeptur für die "Magic Brewery" aus?

Wolfgang: Bei der Zusammenstellung einer solchen Jazzformationen geht es zunächst einmal darum, die Musikerpersönlichkeiten passend zusammen zu bringen.

Als Leader und Komponist überlege ich mir die Besetzung, die, hier mit Trompete, Vibraphon, tiefem 5-saitigen E-Bass und einem agilen Schlagzeug, bereits eine klangliche Auslotung hat, bei der alle Instrumente immer gut hörbar sind.

Manche Konzerte spielen wir akustisch. Außer dem E-Bass ist nichts verstärkt. Auch wenn das Schlagzeug vollen Einsatz gibt, sind Trompete und Vibraphon aufgrund ihres eigenen Frequenzspektrums immer gut hörbar.

Aber viel wichtiger ist eben, wie diese individuellen Virtuosen musikalisch und menschlich zusammenpassen. – Im Fall der neuen "Connection" hatte ich so eine ideale Zusammensetzung gefunden, dass ich immer noch täglich bei unseren Konzerten neu überrascht bin.

Entsprechend reduziert sich hier meine Arbeit als Komponist darauf, inspirierende Themen zu schreiben, die dann bei jeder Aufführung von dieser Band in einer ständigen Konversation immer neu interpretiert werden.

Carina: Es wird zwar nach außen sehr deutlich, wer der Chef ist, aber sowohl Mark Egan als auch Ryan Carniaux sind selbst international bekannte Berühmtheiten. Wer muss hier wessen Ego bei Bedarf bauchpinseln?

Wolfgang: So eine Frage stellt sich uns gar nicht. Gerade weil wir alle unsere musikalischen Vorstellungen in eigenen Projekten erfüllen, können wir uns auch ohne "Egoprobleme" voll für die Musik der jeweiligen Kollegen einsetzen. Ich spiele selbst auch als Gast mit viel Freude bei ganz anderen Formationen.

Das Konzept der Connection basiert zwar hauptsächlich auf meinen Kompositionen, bezieht aber jeden Einzelnen so ein, dass die gespielte Musik ein gemeinsames Ergebnis ist. Das sieht man auch daran, dass jedes Bandmitglied auch bei dieser anstrengenden Tournee menschlich und musikalisch immer mit bester Laune und höchstem Einsatz dabei ist.

Carina: Eine sehr witzige Idee sind natürlich die Bierdeckel zum Album "Magic Brewery". Bei Bier denkt man eher an "Handfestes" und an "Gaudi". Ist denn auch etwas für kultivierte Weinliebhaber oder abstinente O-Safttrinker dabei – oder kann das magisch gebraute Produkt als Ersatz für Alkoholgenuss verstanden werden? Sozusagen eine "vergeistigte" Braukunst?

Wolfgang: Der Titel bezieht sich alleine auf das letzte Stück der CD, bei dem wir zu den faszinierenden Geräuschen eines "Holzelevators" – eines riesigen alten Förderbandes in einer stillgelegten Brauerei - assoziativ improvisiert hatten. Dass inzwischen bei den Medien die ganze CD als "magisches Gebräu" bezeichnet wird, freut und ehrt uns natürlich. Der Bierdeckel war als kleiner Gag zur CD einfach naheliegend.

Carina: Bekannt sind deine Einspielungen mit Chet Baker. Mit "Lady F" folgt nun ein Stück mit Trompete und Vibraphon – inwieweit dockst du hier an alte Zeiten an?

Wolfgang: Die Zusammensetzung von Trompete und Vibraphon hatte mich schon immer fasziniert. Bei meiner ersten eigenen LP 1977, war z.B. Herbert Joos an Trompete und Flügelhorn. Als ich Chet bei einem gemeinsamen Abendessen (jeder hatte bei einem Festival mit seiner Band gespielt) erzählte, dass ich gerade an einem Duokonzept für Trompete und Vibraphon arbeite, sagte er "I wanna do that".

Das hatte ich allerdings zunächst nicht so ernst genommen. Als dann von seiner Agentur plötzlich ein Anruf mit Studiotermin kam, bin ich zunächst etwas erschrocken, habe aber dann noch am selben Tag die Ballade "Why Shouldn't You Cry" komponiert.

"Lady F." entstand im vergangenen Jahr während unserer Aufnahmen über Nacht, weil ich spontan noch Lust darauf hatte, für Ryan eine neue Ballade zu schreiben. Die Stimmung des Stücks knüpft an die Balladen an, die ich damals für Chet komponiert hatte, musikalisch ist die Komposition aber, nach einigen Jahrzehnten, wesentlich anspruchsvoller. Wenn das beim einfachen Hören nicht auffällt, liegt es daran, dass sie auch in diesem Niveau ganz selbstverständlich – und mit Fokus auf die Emotion – gespielt wurde.